Mittelstand und Nachhaltigkeit

15Aug10

Zeiten der Krise sind Zeiten, Bilanz zu ziehen und Strukturen zu überprüfen. Der Errichtung nachhaltiger Unternehmensstrukturen kommt dabei eine erhebliche Bedeutung zu. Derart bewährte Strukturen stellen einen wichtigen Parameter zum Ausbau der Marktstellung und zur Erlangung von Wettbewerbsvorsprüngen dar. In diesem Zuge sind insbesondere zwei Bereiche nachhaltiger Unternehmensstrukturen zu nennen: Corporate Governance als Ausdruck einer guten und transparenten Unternehmensführung und Corporate Compliance als zentrales Element einer wertorientierten Unternehmensorganisation.

Beide genannten Bereiche gewinnen bei mittelständischen Unternehmen, unabhängig davon, ob diese als Publikumsgesellschaften oder personalistisch ausgestaltet sind, zunehmend an Bedeutung und sollten nachhaltig, also im Sinne eines echten Qualitätssiegels, in die jeweilige Unternehmensorganisation implementiert werden. Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, ob hier zwingende gesetzliche Vorgaben bestehen, ob man einer Bindungswirkung nachkommt, wie sie sich beispielsweise aus dem Corporate Governance Kodex für börsennotierte Unternehmen ergibt, oder ob gar eigenständige Best-Practice-Strukturen unabhängig von regulatorischen Vorgaben errichtet werden. Entscheidender Bewertungsmaßstab für die Nachhaltigkeit solcher Unternehmensstrukturen ist letztlich deren „gelebte Effizienz“, wie sie sich aus der Errichtung und Überwachung solcher Governance- und Compliance-Regime ergibt und namentlich an der Erfüllung von Kriterien wie Transparenz, Unternehmensintegrität und Risikovorsorge festgemacht werden kann. Eine zentrale Bedeutung kommt dabei weiterhin der Errichtung klar definierter Pflichten und Verantwortlichkeiten zum Zwecke der betrieblichen Umsetzung der entsprechenden Maßgaben zu.

Unternehmen sollten die Errichtung derart nachhaltiger unternehmensspezifischer Strukturen als einen fortgesetzten Prozess betrachten und sich nicht scheuen, hier auch „überobligationsmäßig“ tätig zu werden. In Zeiten erheblich zunehmender Haftungsgefahren für Unternehmensleiter und Organmitglieder dürfte der Errichtung solcher Strukturen zudem die Funktion einer signifikanten Haftungsprävention zukommen. So kann namentlich die Einhaltung der sog. Business Judgement Rule, mithin der Nachweis, keine unangemessene Risikoschwelle überschritten und nicht ohne ausreichende Informationsgrundlage gehandelt zu haben, im Einzelfall auf Mechanismen gestützt werden, die sich aus der betrieblich implementierten Corporate Governance oder Corporate Compliance ergeben. Last but not least dürften solche Strukturen auch einen Beitrag für die zukünftige Risikoresistenz des Unternehmens darstellen.

Dieser Text wurde uns zur Verfügung gestellt von RA Dr. Hans Mewes, www.esche.de.

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